Ein (Alp)Traum vom Fliegen

Berlin ist immer eine Reise wert, noch schöner ist es jedoch, wenn diese Reise möglichst schön und pannenfrei läuft. Doch auch hier stecken ungeahnte Tücken und Lebensweisheiten drin.
 

Die Termine in Berlin liefen gut, wir hatten uns noch ausgetauscht, wie schön das Wetter doch sei, Kaiserwetter in der Hauptstadt. Zeitiger als notwendig, nehme ich die Öffentlichen in Richtung Tegel, mein Flieger geht um 18:35 Uhr, ein Traum, heute gibt es Abendessen zu Hause!

Die Abflughalle C verströmt seinen provisorischen Charme, der mich immer an einen Provinzflughafen erinnert. Der Duty-Free Shop glänzt weiß und leer, die Anzeigentafeln sind winzig, eben nur ein Provisorium – BER soll ja bald kommen!

Jede Menge Passagiere tummeln sich schon vor dem Abfertigungsschalter, nichts passiert. 18:35 Uhr schiebt sich in die Vergangenheit. „Letzter Aufruf für Passagiere nach München …“. Wie jetzt? Mein Blick sucht unruhig nach der Lösung. Drei Schalter weiter zwei junge Mitarbeiter von easyJet, die nach Passagieren Ausschau halten. Ich frage sie nach meinem Flug von 18:35 Uhr, bei unserem Schalter gibt es leider kein Abfertigungspersonal. Mir wird barsch erklärt, dass ihre Zuständigkeit sich auf den 19:10 Uhr Flug nach München beschränkt. Meine Frage, wer mir weiterhelfen kann, wird abgeschmettert, sie wären nicht von der Information, die wäre draußen, in der Halle gleich neben dem easyJet Counter, ich könnte ja rausgehen und fragen, müsste dann aber wieder durch die Sicherheitskontrollen. Ich ignoriere die Antwort und versuche es mit einer neuen Frage: „Sind noch Plätze auf der 19:10 Uhr Maschine frei?“ Die Antwort kommt wie aus der Pistole geschossen, die Maschine ist nur zu 40% ausgelastet, ich könnte umbuchen, müsste aber 110.- € Umbuchungsgebühr bezahlen und dies ist nur möglich, wenn ich zum easyJet Counter in der Abflughalle ginge und dann müsste ich wieder durch die Sicherheitskontrollen und dann wäre die Maschine schon auf dem Rollfeld“. Mein „Vielen Dank“ ist geheuchelt, es ist jetzt fast 19:00 Uhr, ich hake mein Abendessen zuhause ab und schaue mich nach einer Imbisslösung um. Darauf gehe ich aber lieber nicht näher ein.

Es geht auf 20:00 Uhr zu und das gleiche Spiel wie mit der 19:10 Uhr Maschine wiederholt sich. Nur dieses Mal steht ein genervtes Fachpersonal am Boarding- Schalter, wegen starkem Schneefall wäre die Maschine erst jetzt gerade in München gestartet, Boarding wird um ca. 21:30 Uhr sein. Es wird von der Umbuchungsprozedur abgeraten, weil die Maschine eigentlich quasi schon in der Luft ist, allerdings wären noch genügend Plätze vorhanden.

Jetzt werde ich Zeugin dramatischer Versuche, doch noch Passagier dieses begehrten Fliegers zu werden. Ein Lob an die Herren, die ertrugen es mannhaft, als eine gutaussehende Dame mittleren Alters sich dicht an das männliche Fachpersonal schiebt und leise und einfühlsam zwitschert, sie würde das so gut verstehen und das Fachpersonal könne ja gar nichts dafür und dennoch müsste sie dringend nach München, egal was es koste und ob sie nicht einfach hier ihren Obolus bezahlen könne. Die andere Dame versuchte es auf ähnliche Weise, aber heute fruchtete die kumpelhafte Verbrüderung nicht, das Fachpersonal war zu jung und auf absoluten Gehorsam getrimmt.

Ich begebe mich wie ein Spürhund auf Flugsuche in Richtung München und tatsächlich geht noch eine easyJet Maschine nach München, diesmal um 21:00 Uhr. Das Abfertigungspersonal ist noch jünger und sieht noch strenger aus. Ich versuche es und erzähle ihnen diesmal, was ich schon gelernt habe, das mit dem raus und rein und Umbuchen und dass es zeitlich sowieso nicht ausgeht. Stille. Ich unterbreite einen Vorschlag und verweise auf das Telefon und ob es nicht einfacher wäre, draußen anzurufen und den Verantwortlichen in die Abfertigungshalle zu bitten. Hier würden nämlich ca. 250 Passagiere gerne nach München und man könnte ja prüfen, ob einige davon vielleicht mit dieser Maschine noch nach München kommen würden. Wieder Stille. Diese Entscheidung könne man nicht treffen und nachdem ich sowieso alles wisse, soll ich mich bitte wieder in Richtung Abfertigung 18:35 Uhr begeben. Ich beschließe in Sichtnähe zu bleiben.

Sie telefoniert und kaum zu glauben, ein Grüppchen Hauptverantwortlicher nähert sich dem Schalter, die Maschine sei fast leer, man nehme jetzt doch alle Passagiere auf, der Münchner Flieger wäre doch noch nicht gestartet. Ich stehe als Erste am Counter und darf Zeugin der Verwirrung werden. Man wisse nicht, wie man manuell die Passagiere boarden könne. Ich schlage manuelles Abhaken der Namensliste vor. Diesmal wird mein Vorschlag angenommen. Ich werde abgehakt und gehe straff weiter und stehe auf dem Rollfeld. Ein mit gelber Warnweste Bekleideter winkt auf der Treppe eines fernen Condor Fliegers, ich gehe einfach weiter und ich fühle mich wie auf dem Weg zur Gustloff.

An dieser Stelle würde ich jetzt gerne enden. Leider konnte die Maschine vom Bodenpersonal in Persona einer jungen und durchaus sympathischen Dame, nicht freigegeben werden, weil nicht ermittelt werden konnte, wie viele Passagiere nun in der Maschine Platz genommen haben. Die Zählung dauerte 50 Minuten, anschließend musste das Flugzeug noch enteist werden und erst danach durften wir starten. So und auch jetzt würde ich schon wieder lieber enden, aber es gab noch einen letzten Akt.

Beim Landeanflug auf den Münchner Flughafen startete die Maschine noch einmal durch und drehte zwei Ehrenrunden, da eine startende Maschine ins Schlingern geraten war.

Kurz vor 24:00 Uhr setzten wir auf. 

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