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Berlin zeigt seine Vielseitigkeit - von abschreckend bis zauberhaft

Vielversprechend heißt es: Sei Gast, wenn sich die Welt in 26 Hallen - dabei teilweise auf drei Etagen übereinander - präsentiert. Fünf Kontinente, 180 Länder, 10.000 Aussteller und 100.000 Fachbesucher aus den entlegensten Ecken der Erde, treffen sich in Berlin, um die Reisepakete von morgen zu kreieren.

Und auch ich werde entsendet und eingeflogen. Aus der tiefen Bayerischen Provinz, mit einem Ticket der „Transavia“ ausgestattet, geht es von Attenkrichen über Langenbach via Moosburg zum internationalen Flughafen München. Dieser liegt gar nicht in München, sondern im Eitinger Moos, zwischen Erding und Freising. Mein Auftrag ist simpel - ich soll internationale Hotelkontakte knüpfen und die Awareness steigern!

So sei es denn. Ein bisschen mulmig betrachte ich mein grünes Ticket, der mir völlig unbekannten Airline „Transavia“ und beginne in Terminal A den Abfertigungsschalter zu suchen. Mit gutem Schuhwerk ausgestattet trete ich meine Wanderung von A über B und C zu D an. In Terminal D gibt es eine kurze Erfrischungspause bei einem spritzigen Mineralwasser zu vierachtzig und einen informativen Plausch zum Thema "Wo denn eigentlich die Transavia losfliegt?". In „Gustav“ erfahre ich dann vom dritten Aushilfskoch, der endlich überhaupt etwas mit dem Begriff „Transavia“ anfangen kann. Dankbar mache ich mich wieder auf den Weg. Kaum zu glauben, aber da ist sie ja schon, nach 40 Minuten Fußmarsch habe ich gerade noch rechtzeitig das richtige Mauseloch zu meinem grün-weißen Miniflieger nach Berlin gefunden. Dank kostenfreiem W-Lan informiert mich mein Mobilfunkgerät gerade noch rechtzeitig vor dem Abflug zur marginalen Preisdifferenz von neun Euro brutto zum luxuriösen Air Berlin Flug. Der hätte auch nur sagenhaft geringe 63,48 € gekostet und wäre auf „Anton“ losgeflogen.

Damit meine Laune wieder aus dem tiefen Kellerabteil der Schwermut in ein moderates Zwischengeschoss krabbelt, versenke ich mich während meines kurzen Flugs in die mitgebrachte Messebroschüre. Darin steht zu lesen, der Besuch würde sich lohnen, von Ägypten bis Zypern erwarte den Messegast ein globales Erlebnis. Man wolle mich verzaubern, in fremde Kulturen entführen und mit kulinarischen Leckerbissen verwöhnen. Es würde sich besonders lohnen Halle 15 a „Vanuata“ einen Besuch abzustatten. Im Halbschlaf wird Vanuata zu Hanuta und ich bekomme Appetit auf Waffelleckerli mit Haselnussfüllung. Sansibar wäre aber auch dieses Jahr der Renner und warum auch immer, sehe ich einen feschen Piraten mit einem roten Stirnband und einem gebogenen Säbel über den Strand laufen, direkt auf mich zu!  Leider treffen wir uns nicht, weil ich vorher in Richtung Salomanen abgebogen bin und während ich mich noch frage, was zum Kuckuck wohl die Salomanen sind, bleibt mein Blick an der französischen Rèunion hängen, die im Indischen Ozean eine idyllische Insel ist und doch tatsächlich zur Europäischen Union gehört. Und just in dem Moment, als ich mich noch über die langen Tentakeln der Europäischen Union wundere, setzen wir auch schon in Berlin auf.

Der geschulte Blick einer Vielreisenden erkennt sofort, dass wir nicht in Berlin Tegel, sondern in Berlin Schönefeld sind und da will einfach keiner hin und ich auch nicht. Schönefeld ist wie die ehemalige Ostzone und schrecklich weit entfernt von Berlin und noch weiter vom ersehnten Messegelände. Es nützt nichts, der Besucherstrom drückt mich in die Ankunftshalle. Da erfassen meine ungläubigen Blicke eine Ostdeutsche Mutation eines westlichen Burger Restaurants. Fassungslos lese ich die kursiven Buchstaben „Cindy’s Diner Schönefeld“. Den Mädchennamen werde ich nicht kommentieren, aber was bitte ist ein „Diner“? Ein riesiger blauer Elefant betritt die Ostdeutsche Ankunftshalle und hält wechselnd Schilder mit der Aufschrift „Dinner“ und „Diener“ in die Höhe und ich schiebe den blauen Elefanten beiseite und stapfe zur Bushaltestelle. Meine Stimmung ist auf dem Tiefpunkt angelangt und ich finde Berlin ungastlich und die öffentlichen Verkehrsmittel dreckig und versifft. Nach mehrmaligen Umsteigen stehe ich endlich in der S-Bahn Richtung Messedamm, genervt vom Trubel der Großstadt und den kaputten Großstädtern, die bereits am Vormittag mit einer Bierflasche in der S-Bahn rumhängen.

Gerade als ich mit dem Gedanken spiele, einfach am Hauptbahnhof wieder auszusteigen, um mit dem nächsten Zug Richtung Süden zu flüchten, erklingen fancy Klarinettentöne an mein Ohr. Vier wilde Typen, wahrscheinlich aus Sansibar auf dem Weg zu Halle 15b, grooven so unverschämt ansteckend positiv Gypsy-Jazz und Balkan Blues, dass ich entrückt im Takt wippe. Die S-Bahn schwingt sich in die Höhe und tänzelt über den Straßen Berlins durch die Häuser im Rhythmus der schrägen Halb- und Vierteltöne. Beseelt fliegen die S-Bahnstationen an mir vorbei und ehe ich mich versehe muss ich auch schon aussteigen. Die schrägen Töne noch im Ohr, die einfach in mir weiter schwingen und mich auf meinem Weg zu globalen Begegnungen begleiten, fischen ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit aus meinem Inneren hervor – Danke zauberhaftes Berlin!

Passend dazu hier der Song von Peter Fox "Schwarz zu blau: Berlin Du kannst so häßlich sein"

https://www.youtube.com/watch?v=yphwzD1XaBY

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