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Die Realität beim Thema Ehrlichkeit und Mitarbeiterführung

Allein die Sensibilisierung für dieses Thema, gerade weil ich darüber berichten werde, hat mich in meinem Handeln bewusster und aufmerksamer gemacht. Eine Mitarbeiterin wird in Mutterschutz gehen, eine weitere stellt sich einer neuen Herausforderung. Demnach steht die Erstellung von zwei qualifizierten Arbeitszeugnissen an.

Ich schicke dem entsprechenden Abteilungsleiter einen detaillierten Bewertungsbogen, sichte die Jahrespersonalgesprächsprotokolle der Personalakten und verschaffe mir einen Überblick über das Aufgabengebiet der ausscheidenden Mitarbeiter anhand der Funktionsbeschreibungen. Ich will es gut und wohlwollend verfassen, ich möchte aber auch ehrlich sein dürfen und es ist mein Anspruch, die Stärken des Mitarbeiters besonders herauszuarbeiten. Jedoch ist mir auch klar, indem ich eine Fähigkeit besonders hervorhebe, tritt eine andere Fähigkeit eventuell in den Schatten. Beim Erstellen der Zeugnisse kommen mir unterschiedliche Erinnerungen, die ich mit den scheidenden Mitarbeitern verbinde: Erlebnisse aus der Ausbildungszeit, positive Veränderungen, das gestiegene Selbstbewusstsein, die gewachsene Professionalität, die ein oder andere witzige Situation. Das fühlt sich lebendig und warm an.

Kurze Zeit später erhalte ich von beiden Mitarbeiter eine E-Mail. Die Nachrichten sind sich sehr ähnlich, die Intensitäten auch. „Warum steht an dieser Stelle nur zur vollen Zufriedenheit und nicht zur vollsten? Warum nicht sehr gut, sondern nur gut?“ Ich atme durch und fühle mich kurz versucht, zukünftig Zeugnisse einfach nur noch im Superlativ zu erstellen. „Der äußert profunde Mitarbeiter konnte durch seine blitzschnelle Auffassungsgabe schon nach nur vier Wochen die Abteilungsleitung übernehmen und veranlasste durch seine klugen Entscheidungen eine Umsatzsteigerung von 150%.“ So oder so ähnlich könnte sich das dann lesen. Aber welchen Mehrwert bringt das dem scheidenden Mitarbeiter oder dem neuen Unternehmen?

Mit Blick auf den Wertekodex, wird es Zeit für einen Perspektivenwechsel – sowohl beim Mitarbeiter, als auch im Unternehmen. Die Eigenbetrachtung eines jeden Einzelnen wird zunehmend schwieriger. Schwächen werden nicht angesprochen, vertuscht oder sogar verdrängt. Zwar ist der Ausspruch „Kein Mensch ist perfekt“ geläufig, aber im deutschen Unternehmensalltag bleibt er weitgehend unbeachtet. So haben Mitarbeiter eher das Gefühl, sie müssten es sein, um akzeptiert zu werden. Durch Angst entstehen Fehler und Missverständnisse, mit der die Firmen leben müssen. Ich wünsche mir für jeden Einzelnen mehr Mut zur Ehrlichkeit gegenüber einem Selbst, den Mut einen Fehler anzusprechen und auch um Hilfe zu bitten.

Ich komme zu der abschließenden Entscheidung, ehrlich zu bleiben und fühle mich sogar ein bisschen mutig dabei, die Ehrlichkeit - neben dem selbstverständlichen Wohlwollen gegenüber meinen Mitarbeitern - beizubehalten.

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